Willkommen in unserem Restaurierungstagebuch! Hier erzählen wir, Klaus Jürgen
und Dieter, die Geschichte unserer Zündapp Combinette 428 – von der ersten Idee
bis zum stolzen Ergebnis. Klaus Jürgen hat geschraubt, ich (Dieter) habe
fotografiert und diese Webseite gebaut.
Die Geschichte unserer Combinette 428
Zwei Freunde, eine Leidenschaft: Klaus Jürgen hat die Combinette mit
eigenen Händen restauriert, Dieter hat jeden Schritt mit der Kamera
festgehalten und diese Webseite geschaffen. Alles begann mit einer
Erinnerung an unsere Jugend und unsere alten Hercules Prima 5S.
— dks
Die Erinnerung an die Prima 5S
Klaus Jürgen und ich sitzen bei einem Bier zusammen, als er plötzlich sagt:
"Weißt du noch, wie wir als Jugendliche mit unseren Hercules Prima 5S
durch die Gegend gezogen sind?" Ich nicke. Klar weiß ich das noch.
Der Geruch von Zweitaktgemisch, der Wind im Gesicht, die absolute Freiheit.
Dann zeigt er mir ein Foto einer alten Zündapp Combinette 428,
Baujahr 1959, die irgendwo in einer Scheune vor sich hin rostet. Mein Herz
macht einen Sprung. Wir müssen so ein Stück Geschichte retten.
Noch am selben Abend rufen wir den Besitzer an. Drei Tage später steht der
Transporter vor der Tür. Klaus Jürgen sagt: "Ich schraube, du fotografierst."
Ich grinse. Deal.
— kjh
Erste Bestandsaufnahme – der Schock
Dieter hat die Combinette heute in meine Garage geschoben und zum ersten Mal
richtig fotografiert. Der Zustand ist... nun ja, gewöhnungsbedürftig.
Der Tank hat ein Loch, die Sitzbank ist durchgesessen, und vom Chrom ist nicht
mehr viel übrig. Anders als unsere robusten Prima 5S damals, die alles
eingesteckt haben, braucht diese Dame viel Liebe. Aber der Motor?
Der Motor sitzt fest, aber er ist da. Das ist schon mal die
halbe Miete. Wir machen eine Liste mit allem, was wir brauchen. Sie wird lang.
Sehr lang. Dieter kniet schon neben der Combinette und macht Detailfotos.
"Das wird eine geile Dokumentation", sagt er.
— dks
Die Suche nach Originalteilen
Klaus Jürgen hat drei Monate recherchiert und telefoniert. Ich habe jeden
Schritt mit der Kamera dokumentiert – die alten Ersatzteil-Kataloge, die
Treffen mit Sammlern. Endlich hat er einen Kontakt in Nürnberg gefunden,
der noch einen originalen Vergaser für die 428 hat.
80 Euro, plus Versand. Klaus Jürgen zögert keine Sekunde. Ich lache:
"Du bist verliebt." Hat er vielleicht recht. Ich mache ein Foto von
seinem Gesicht, als er den Vergaser in den Händen hält. Pure Freude.
— kjh
Der Motor will nicht
Ich habe den Motor heute zum ersten Mal wieder zum Leben erwecken wollen.
Nach stundenlangem Einweichen mit Kriechöl, vorsichtigem Klopfen mit dem
Gummihammer und viel Geduld... passiert nichts. Der Kolben
sitzt wie festbetoniert. Dieter steht neben mir und fotografiert meine
frustrierte Miene. "Das kommt in die Dokumentation", sagt er grinsend.
Ich schaue ihn an, dann lachen wir beide. "Wird schon", sage ich.
Wird es. Irgendwann.
— dks
Der erste Funke
SIE LEBT! Klaus Jürgen hat monatelang am Motor gearbeitet,
nach nächtelanger Recherche in alten Handbüchern – heute hat die Combinette
das erste Mal seit vermutlich 30 Jahren wieder gehustet. Nur ein kurzes
"Röcheln", aber es war da. Klaus Jürgen hat vor Freude fast die
Zündkerze fallen lassen. Ich habe den Moment mit der Kamera festgehalten.
Wir sind uns einig: Ostern 2008 soll sie wieder fahren.
Und ich beginne, diese Webseite zu planen, um unsere Arbeit zu teilen.
— kjh
Der Lack muss perfekt sein
Ich habe mich für das originale Zündapp-Rot entschieden –
genau den Farbton, den sie 1959 ab Werk hatte. Damit das Moped auch den
nächsten Jahrzehnten standhält, haben wir uns für viele Metallteile zusätzlich
für eine hochwertige Pulverbeschichtung entschieden.
Der Lackierer, ein alter Herr aus einem Nachbarort, der selbst mal bei Zündapp
gearbeitet hat, hat Tränen in den Augen gehabt, als er den Tank gesehen hat.
„So einen hab ich seit 40 Jahren nicht mehr in der Hand gehabt“, sagt er.
Gänsehaut. Dieter steht in der Ecke und fotografiert jeden Handgriff.
„Das muss alles dokumentiert werden“, sagt er. Hat er recht.
— dks
Die erste Ausfahrt
Wir sind gefahren. Klaus Jürgen fuhr die Combinette, ich
bin mit dem Auto hinterhergefahren und habe Fotos geschossen. 20 Kilometer,
durch den Wald, vorbei an Feldern. Das elegante Zweitakt-Summen erinnerte
mich sofort an unsere alten Prima 5S, nur viel ruhiger und würdiger. Wir
haben an einer Tankstelle angehalten, und ein alter Mann kam auf uns zu:
"So eine hab ich auch mal gehabt." Wir haben eine Stunde geplaudert.
Ich habe den Mann fotografiert, wie er die Combinette streichelt.
— kjh
Verfolgungsjagd mit Happy End auf der Mainbrücke
Ich war mit der frisch restaurierten Combinette eine Runde durch die Stadt gedreht,
um sie im normalen Verkehr zu testen. Plötzlich bemerkte ich im Rückspiegel ein
Polizeiauto. Es folgte mir. Mein Herz schlug etwas schneller. Ich bog durch ein paar
krumme, enge Gassen ab, in der vagen Hoffnung, den Verfolger abzuhängen, aber das
Auto blieb hartnäckig dran.
Schließlich winkte mich der Beamte auf der Mainbrücke zum Anhalten. Ich stellte den
Motor ab, machte mich innerlich schon auf eine Standpauke wegen irgendeiner
veralteten Vorschrift oder eines übersehenen Details gefasst. Der Polizist stieg aus,
kam auf mich zu, musterte das Moped mit einem breiten, nostalgischen Lächeln und sagte:
„Keine Sorge, ich möchte mir nur mal die Combinette ansehen. Mein Vater hatte
so eine. Sehr schön, und gute Fahrt!“
Ich atmete tief durch, bedankte mich herzlich und fuhr weiter. Dieser kurze Moment
hat mir gezeigt: Dieses Moped ist nicht nur ein restauriertes Objekt, es weckt bei
den Menschen echte, warme Erinnerungen. Genau dafür haben wir das alles gemacht.
— dks
Die längste Ausfahrt: Begleitung der Radfahrer nach Bamberg
Unterwegs auf der Tour von Schweinfurt nach Bamberg
Im Jahr 2009 stand die ultimative Bewährungsprobe an: Die frisch restaurierte
Combinette sollte als charmantes Begleitfahrzeug für eine Fahrradtour von
Schweinfurt nach Bamberg dienen. Klaus Jürgen übernahm das Steuer. Über viele
Kilometer entlang des Mains summte der kleine Zweitaktmotor zuverlässig vor sich
hin, immer im Schlepptau der fröhlich radelnden Truppe.
Ich war natürlich mit der Kamera dabei. Es war ein großartiges Bild: Das leuchtend
rote Moped, die neue Pulverbeschichtung glänzte in der Sonne, und dazu die
begeisterten Radfahrer. Die Combinette hat diese lange Tour ohne einen einzigen
Mucks oder eine technische Macke gemeistert. Sie war nicht mehr nur ein
restauriertes Museumsstück, sondern ein vollwertiges, zuverlässiges Fahrzeug.
🎥 Doch kein Foto kann die Atmosphäre und den typischen Sound dieser Tour einfangen.
Deshalb habe ich diesen Moment festgehalten:
Original-Aufnahme von der Fahrradtour 2009: Klaus Jürgen mit der
Combinette auf dem Weg von Schweinfurt nach Bamberg. Hier ist der unverwechselbare
Sound des Zweitakters in voller Fahrt zu hören – ein echter Gänsehaut-Moment.
(Mehr Bilder von dieser tollen Tour gibt es im
Archiv des RV92.)
— dks
Abschied mit stolzem Herzen
Heute haben wir uns schweren Herzens, aber mit einem sehr guten Gefühl von
unserer Combinette verabschiedet. Klaus wird bald 60, und er ist ehrlich zu
sich selbst: Er ist nicht mehr ganz so fit wie zu den Zeiten unserer
Hercules Prima 5S. Die anstrengende Restaurierung hat Spuren hinterlassen,
und er weiß, dass er das Moped künftig nicht mehr so aktiv bewegen und
schwer heben kann, wie es diese Dame verdient.
Deshalb war es ihm unglaublich wichtig, dass sie an den perfekten
Nachfolger geht. Ein begeisterter Sammler hat sie übernommen – jemand,
der genau das mitbringt, was die Combinette jetzt braucht: Zeit, Energie und
die Liebe, sie wirklich zu fahren und zu pflegen. Beim Übergeben hat er gesagt:
„Ich verspreche, dass sie bei mir in guten Händen ist und regelmäßig
ausgeführt wird.“ Ich glaube ihm.
Klaus Jürgen und ich haben danach noch ein Bier getrunken. Nicht traurig,
sondern stolz. Auf die alte Combinette, auf die gute alte Zeit mit unseren
Prima 5S und auf die Tatsache, dass wir ihr ein zweites, wunderschönes
Leben geschenkt haben. Es war eine wunderbare Zeit. Und
jetzt lebt sie weiter – hier auf dieser Webseite, in meinen Fotos, und vor
allem: auf der Straße.
Diese Restaurierung war mehr als nur Schrauben und Fotografieren. Sie war
ein Stück gelebte Freundschaft, ein Stück deutsche Geschichte und ein
Beweis dafür, dass man mit Leidenschaft, Originalteilen und ein bisschen
Liebe alles wieder zum Leben erwecken kann. Klaus Jürgen hat die Hände
schmutzig gemacht, Dieter hat jeden Moment festgehalten. Zusammen haben wir
etwas Bleibendes geschaffen.
— Klaus Jürgen Herbst (kjh) & Dieter Karl Schenk (dks)
Bilder aus der Restaurierung
Dieter hat über 200 Fotos während der gesamten Restaurierung gemacht.
Hier eine kleine Auswahl der schönsten Momente: