Zuletzt aktualisiert am: 29.09.2026

📖 Unser Restaurierungstagebuch

Klaus Jürgen mit der Zündapp Combinette in Bamberg
Klaus und seine Combinette

Willkommen in unserem Restaurierungstagebuch! Hier erzählen wir, Klaus Jürgen und Dieter, die Geschichte unserer Zündapp Combinette 428 – von der ersten Idee bis zum stolzen Ergebnis. Klaus Jürgen hat geschraubt, ich (Dieter) habe fotografiert und diese Webseite gebaut.

Die Geschichte unserer Combinette 428

Zwei Freunde, eine Leidenschaft: Klaus Jürgen hat die Combinette mit eigenen Händen restauriert, Dieter hat jeden Schritt mit der Kamera festgehalten und diese Webseite geschaffen. Alles begann mit einer Erinnerung an unsere Jugend und unsere alten Hercules Prima 5S.

— dks

Die Erinnerung an die Prima 5S

Klaus Jürgen und ich sitzen bei einem Bier zusammen, als er plötzlich sagt: "Weißt du noch, wie wir als Jugendliche mit unseren Hercules Prima 5S durch die Gegend gezogen sind?" Ich nicke. Klar weiß ich das noch. Der Geruch von Zweitaktgemisch, der Wind im Gesicht, die absolute Freiheit. Dann zeigt er mir ein Foto einer alten Zündapp Combinette 428, Baujahr 1959, die irgendwo in einer Scheune vor sich hin rostet. Mein Herz macht einen Sprung. Wir müssen so ein Stück Geschichte retten. Noch am selben Abend rufen wir den Besitzer an. Drei Tage später steht der Transporter vor der Tür. Klaus Jürgen sagt: "Ich schraube, du fotografierst." Ich grinse. Deal.

— kjh

Erste Bestandsaufnahme – der Schock

Dieter hat die Combinette heute in meine Garage geschoben und zum ersten Mal richtig fotografiert. Der Zustand ist... nun ja, gewöhnungsbedürftig. Der Tank hat ein Loch, die Sitzbank ist durchgesessen, und vom Chrom ist nicht mehr viel übrig. Anders als unsere robusten Prima 5S damals, die alles eingesteckt haben, braucht diese Dame viel Liebe. Aber der Motor? Der Motor sitzt fest, aber er ist da. Das ist schon mal die halbe Miete. Wir machen eine Liste mit allem, was wir brauchen. Sie wird lang. Sehr lang. Dieter kniet schon neben der Combinette und macht Detailfotos. "Das wird eine geile Dokumentation", sagt er.

— dks

Die Suche nach Originalteilen

Klaus Jürgen hat drei Monate recherchiert und telefoniert. Ich habe jeden Schritt mit der Kamera dokumentiert – die alten Ersatzteil-Kataloge, die Treffen mit Sammlern. Endlich hat er einen Kontakt in Nürnberg gefunden, der noch einen originalen Vergaser für die 428 hat. 80 Euro, plus Versand. Klaus Jürgen zögert keine Sekunde. Ich lache: "Du bist verliebt." Hat er vielleicht recht. Ich mache ein Foto von seinem Gesicht, als er den Vergaser in den Händen hält. Pure Freude.

— kjh

Der Motor will nicht

Ich habe den Motor heute zum ersten Mal wieder zum Leben erwecken wollen. Nach stundenlangem Einweichen mit Kriechöl, vorsichtigem Klopfen mit dem Gummihammer und viel Geduld... passiert nichts. Der Kolben sitzt wie festbetoniert. Dieter steht neben mir und fotografiert meine frustrierte Miene. "Das kommt in die Dokumentation", sagt er grinsend. Ich schaue ihn an, dann lachen wir beide. "Wird schon", sage ich. Wird es. Irgendwann.

— dks

Der erste Funke

SIE LEBT! Klaus Jürgen hat monatelang am Motor gearbeitet, nach nächtelanger Recherche in alten Handbüchern – heute hat die Combinette das erste Mal seit vermutlich 30 Jahren wieder gehustet. Nur ein kurzes "Röcheln", aber es war da. Klaus Jürgen hat vor Freude fast die Zündkerze fallen lassen. Ich habe den Moment mit der Kamera festgehalten. Wir sind uns einig: Ostern 2008 soll sie wieder fahren. Und ich beginne, diese Webseite zu planen, um unsere Arbeit zu teilen.

— kjh

Der Lack muss perfekt sein

Ich habe mich für das originale Zündapp-Rot entschieden – genau den Farbton, den sie 1959 ab Werk hatte. Damit das Moped auch den nächsten Jahrzehnten standhält, haben wir uns für viele Metallteile zusätzlich für eine hochwertige Pulverbeschichtung entschieden.

Der Lackierer, ein alter Herr aus einem Nachbarort, der selbst mal bei Zündapp gearbeitet hat, hat Tränen in den Augen gehabt, als er den Tank gesehen hat. „So einen hab ich seit 40 Jahren nicht mehr in der Hand gehabt“, sagt er. Gänsehaut. Dieter steht in der Ecke und fotografiert jeden Handgriff. „Das muss alles dokumentiert werden“, sagt er. Hat er recht.

— dks

Die erste Ausfahrt

Wir sind gefahren. Klaus Jürgen fuhr die Combinette, ich bin mit dem Auto hinterhergefahren und habe Fotos geschossen. 20 Kilometer, durch den Wald, vorbei an Feldern. Das elegante Zweitakt-Summen erinnerte mich sofort an unsere alten Prima 5S, nur viel ruhiger und würdiger. Wir haben an einer Tankstelle angehalten, und ein alter Mann kam auf uns zu: "So eine hab ich auch mal gehabt." Wir haben eine Stunde geplaudert. Ich habe den Mann fotografiert, wie er die Combinette streichelt.

— kjh

Verfolgungsjagd mit Happy End auf der Mainbrücke

Ich war mit der frisch restaurierten Combinette eine Runde durch die Stadt gedreht, um sie im normalen Verkehr zu testen. Plötzlich bemerkte ich im Rückspiegel ein Polizeiauto. Es folgte mir. Mein Herz schlug etwas schneller. Ich bog durch ein paar krumme, enge Gassen ab, in der vagen Hoffnung, den Verfolger abzuhängen, aber das Auto blieb hartnäckig dran.

Schließlich winkte mich der Beamte auf der Mainbrücke zum Anhalten. Ich stellte den Motor ab, machte mich innerlich schon auf eine Standpauke wegen irgendeiner veralteten Vorschrift oder eines übersehenen Details gefasst. Der Polizist stieg aus, kam auf mich zu, musterte das Moped mit einem breiten, nostalgischen Lächeln und sagte: „Keine Sorge, ich möchte mir nur mal die Combinette ansehen. Mein Vater hatte so eine. Sehr schön, und gute Fahrt!“

Ich atmete tief durch, bedankte mich herzlich und fuhr weiter. Dieser kurze Moment hat mir gezeigt: Dieses Moped ist nicht nur ein restauriertes Objekt, es weckt bei den Menschen echte, warme Erinnerungen. Genau dafür haben wir das alles gemacht.

— dks

Die längste Ausfahrt: Begleitung der Radfahrer nach Bamberg

Zündapp Combinette auf der Radtour von Schweinfurt nach Bamberg
Unterwegs auf der Tour von Schweinfurt nach Bamberg

Im Jahr 2009 stand die ultimative Bewährungsprobe an: Die frisch restaurierte Combinette sollte als charmantes Begleitfahrzeug für eine Fahrradtour von Schweinfurt nach Bamberg dienen. Klaus Jürgen übernahm das Steuer. Über viele Kilometer entlang des Mains summte der kleine Zweitaktmotor zuverlässig vor sich hin, immer im Schlepptau der fröhlich radelnden Truppe.

Ich war natürlich mit der Kamera dabei. Es war ein großartiges Bild: Das leuchtend rote Moped, die neue Pulverbeschichtung glänzte in der Sonne, und dazu die begeisterten Radfahrer. Die Combinette hat diese lange Tour ohne einen einzigen Mucks oder eine technische Macke gemeistert. Sie war nicht mehr nur ein restauriertes Museumsstück, sondern ein vollwertiges, zuverlässiges Fahrzeug.

🎥 Doch kein Foto kann die Atmosphäre und den typischen Sound dieser Tour einfangen. Deshalb habe ich diesen Moment festgehalten:

Original-Aufnahme von der Fahrradtour 2009: Klaus Jürgen mit der Combinette auf dem Weg von Schweinfurt nach Bamberg. Hier ist der unverwechselbare Sound des Zweitakters in voller Fahrt zu hören – ein echter Gänsehaut-Moment.

(Mehr Bilder von dieser tollen Tour gibt es im Archiv des RV92.)

— dks

Abschied mit stolzem Herzen

Heute haben wir uns schweren Herzens, aber mit einem sehr guten Gefühl von unserer Combinette verabschiedet. Klaus wird bald 60, und er ist ehrlich zu sich selbst: Er ist nicht mehr ganz so fit wie zu den Zeiten unserer Hercules Prima 5S. Die anstrengende Restaurierung hat Spuren hinterlassen, und er weiß, dass er das Moped künftig nicht mehr so aktiv bewegen und schwer heben kann, wie es diese Dame verdient.

Deshalb war es ihm unglaublich wichtig, dass sie an den perfekten Nachfolger geht. Ein begeisterter Sammler hat sie übernommen – jemand, der genau das mitbringt, was die Combinette jetzt braucht: Zeit, Energie und die Liebe, sie wirklich zu fahren und zu pflegen. Beim Übergeben hat er gesagt: „Ich verspreche, dass sie bei mir in guten Händen ist und regelmäßig ausgeführt wird.“ Ich glaube ihm.

Klaus Jürgen und ich haben danach noch ein Bier getrunken. Nicht traurig, sondern stolz. Auf die alte Combinette, auf die gute alte Zeit mit unseren Prima 5S und auf die Tatsache, dass wir ihr ein zweites, wunderschönes Leben geschenkt haben. Es war eine wunderbare Zeit. Und jetzt lebt sie weiter – hier auf dieser Webseite, in meinen Fotos, und vor allem: auf der Straße.

Diese Restaurierung war mehr als nur Schrauben und Fotografieren. Sie war ein Stück gelebte Freundschaft, ein Stück deutsche Geschichte und ein Beweis dafür, dass man mit Leidenschaft, Originalteilen und ein bisschen Liebe alles wieder zum Leben erwecken kann. Klaus Jürgen hat die Hände schmutzig gemacht, Dieter hat jeden Moment festgehalten. Zusammen haben wir etwas Bleibendes geschaffen.

— Klaus Jürgen Herbst (kjh) & Dieter Karl Schenk (dks)

Bilder aus der Restaurierung

Dieter hat über 200 Fotos während der gesamten Restaurierung gemacht. Hier eine kleine Auswahl der schönsten Momente:

Zündapp Combinette 428 Motor vor der Restaurierung Zündapp Combinette 428 Detailansicht

→ Alle Restaurierungs-Fotos ansehen

Tipps & Hinweise